Jahrtausendealte Winzertradition trifft auf moderne Solartechnik

Als 20-Jähriger bin ich in unseren Familienbetrieb eingestiegen, was in jenen Tagen noch eine traditionelle Mosterei und Brennerei war. Seit dem 1. Januar 2000 führen meine Frau Cornelia und ich den Betrieb nun in der siebten Generation, und wir haben ihn über die Jahre umstrukturiert und diversifiziert. Den Südhang am See nutzen wir seit 1991 als Weinberg. Meine Frau Cornelia hat unser großes Bauernhaus in ein heimeliges Bed & Breakfast umgewandelt. Viele der Produkte, die unsere Gäste heute auf der Sonnenterasse genießen, werden hier lokal in der Brennerei, den Rebbergen & Co. erzeugt.

Derartige Synergien sind wichtig – und sie spiegeln unseren Integrationsgedanken wider: Die Land- bzw. Weinwirtschaft musste lernen, auf die Natur zu hören und die Hilfsstoffe so gezielt einzusetzen, wo es nötig ist und nicht, weil man es „schon immer so gemacht hat“. Wir wollen auch den nächsten Generationen die Möglichkeit geben, sich zu verwirklichen und ihr Leben leben zu können.

Dementsprechend befassen wir uns schon viele Jahre mit dem Thema Nachhaltigkeit. Lokale Energieerzeugung hat bei uns Tradition: Die Brennerei wurde z.B. schon immer mit Holz aus dem eigenen Wald beheizt. Im neuen, erweiterten Betriebskonzept reicht das Holz aus unserem Wald jedoch längst nicht mehr, und so mussten wir uns Gedanken machen, auf welche Energiequelle wir setzen wollen. Nach reiflichen Überlegungen haben wir uns für Solarstrom aus eigener Produktion entschieden, flankiert von Flüssiggas für die Brennerei.

Während das Warmwasser für das Bed & Breakfast schon seit Jahren mit einer thermischen Anlage auf dem Dach produziert wird, gewinnen wir den Strom für den Betrieb seit April 2019 mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach des neuen Ökonomiegebäudes. Die Spirituosenbrennerei, die sehr energieaufwendig ist, wird mit Flüssiggas – u.a. ein Abfallprodukt der Ölraffinerien – betrieben, und die Abwärme wird für die Heizung des ganzen Betriebes gespeichert und verwendet.

Letzten Winter gab dann unsere alte Heizung ihren Geist auf. Da wir nun schon seit Frühjahr 2019 die Photovoltaik-Anlage mit 80 kWp hatten und gut zwei Drittel der Energie ins Netz zurückspeisten, haben wir uns im nächsten Schritt für eine Luft/Wasser-Wärmepumpe entschieden, die dank der Tesla Powerwalls mit eigenem Strom betrieben werden kann. Im Ökonomiegebäude wurden dafür im September 2020 sieben Powerwalls mit je 13,5 kWh Kapazität installiert. Im Schnitt produziert die Photovoltaik-Anlage monatlich gut 6.000 kWh, und wir können in der Kombination mit den Speichern bis zu 80% unseres Energiebedarfs selbst decken.

Dank der Tesla app können wir darüber hinaus auch die betrieblichen Prozesse sehr viel besser anhand der Stromproduktion ausrichten: Gewisse Abläufe werden neuerdings nur dann durchgeführt, wenn wir viel eigenen Solarstrom erzeugen – z.B. das Aufladen der Elektrostapler. Und ich habe dadurch gelernt: Es wird auch dann Strom produziert, wenn die Sonne gerade nicht so stark scheint. Wenn auch nicht viel, aber es wird! Einzig die Weintrauben, die brauchen gerade im Herbst noch das direkte Sonnenlicht: Sonnige Herbsttage und kalte Nächte sind die besten Vorgaben für einen hohen Zuckergehalt und für die Weinaromatik.

Insgesamt lautet unser Motto: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“. Wir sind Gast auf dieser Erde, und wir müssen mit der Natur zusammenarbeiten. Die Kombination aus Photovoltaikanlage und Powerwall ist der nächste große Schritt in diese Richtung.



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